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Pflanzen  / Tradition

Pflanzen in der Tibetischen Medizin

Ausschnitt aus dem Blauen Beryll

Der Schatz der Tibetischen Medizin ist das umfangreiche Wissen über die sinnvolle Kombination von Naturstoffen wie Pflanzen oder Mineralien in einer ganzheitlich wirkenden Rezeptur. Studien haben gezeigt, dass 40-70% aller Pflanzen, die in einem Ökosystem wachsen, in der Medizin verwendet werden können. Sie bilden denn auch das Rückgrat der Tibetischen Medizin.

Eine Geschichte aus der Zeit Buddhas gibt einen Hinweis auf die Vielfalt der Medizinalpflanzen: "Eines Tages bat der Meister seine Schüler, aufs Land zu ziehen und alles, was sie nicht für Medizin hielten, zurückzubringen. Innerhalb einiger Stunden kehrten die meisten von ihnen mit ein paar vermeintlich nutzlosen Pflanzen oder mineralischen Substanzen zurück. Am Ende des Tages waren alle Schüler, ausser einem, mit irgend etwas zurückgekehrt, das für sie scheinbar keinen medizinischen Wert besass. Aber erst nach mehreren Tagen erschien der letzte der Schüler staubbedeckt, erschöpft und mit leeren Händen. Ehrfürchtig erklärte er dem Meister: "Ich schaute überall in der Ferne, aber ich konnte nichts entdecken, was nicht Medizin wäre." Der Meister beglückwünschte und lobte ihn herzlich dafür, der einzige Schüler zu sein, der den medizinischen Wert aller Substanzen erkannt habe."

Text aus Clark, Barry: Die Tibeter Medizin. Die Geheimnisse der Heilkunst aus den Hochtälern des Himalaya. Otto Wilhelm Barth Verlag, 1997, München.

Ernten und Trocknen, in Tibet eine Wissenschaft für sich

Für das Sammeln und Zubereiten der Pflanzen halten die alten Medizintexte die ideale Jahreszeit, astrologische Kriterien und Wetterbedingungen fest. Pflanzen müssen unbeschädigt sein und an einem günstigen Standort wachsen. Auch die Behandlung vor dem Trocknen, die Trocknungsbedingungen und weitere Aufbereitungsmassnahmen sind festgelegt. Der Anspruch der Traditionellen Tibetischen Medizin an die Qualität der Rohstoffe war und ist nach wie vor sehr hoch. Zur Veranschaulichung nachfolgenden Auszug aus dem rGyudbzhi (Gyüshi), dem Hauptlehrbuch der Traditionellen Tibetischen Medizin:

"Südlich erhebt sich der Berg bigsbyed (Big-tsche), "der Schneidende", der die Kraft der Sonne besitzt. Dort sind Arzneien wie Granatapfel, schwarzer Pfeffer, langer Pfeffer, weisser Bleiwurz (tsitraka) usw. zu finden, die Krankheiten von kalter Natur heilen. Die Pflanzen seiner Wälder sind von scharfem, saurem und salzigem Geschmack; ihre Wirkkräfte sind heiss und scharf. Die medizinischen Wurzeln, Stämme, Äste, Blätter, Blüten und Früchte sind wohlriechend, anziehend und lieblich anzuschauen, und wo auch immer ihr Duft verströmt, wird keine Kälte-Krankheit auftreten."