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Pflanzen  / Pflanzenportraits

Vogelknöterich (Polygonum aviculare L.)

Wissenschaftlicher Name

Lat. Polygonum aviculare (L.) s.l. Das Wort Polygonum nimmt Bezug auf die vielknotigen Stängel, das Wort aviculare bezeichnet die Pflanze als Vogelfutter.

Umgangssprachliche Namen

Vogelknöterich, Angerkraut, Blutgarbe, Hühnergras, Laufrasen, Knotengras, Närvechrut, Plattsaad, Saugras, Saukraut, Wegetred, Weggras, Wegkraut, Wegtritt,  Vogelchrut, Zehr- oder Zerrgras.

Familie

Knöterichgewächse (Polygonaceae)

Botanische Beschreibung

Die einjährige Pflanze hat wechselständige, kurz gestielte Blätter und wird bis zu 60 cm hoch resp. lang. Sie kriecht am Boden und wächst auch in die Höhe. Die Blütenstände (Trugdolden) weisen unauffällige, geruch- und nektarlose Blüten auf, die sich meist durch Selbstbestäubung zu Nussfrüchten entwickeln. Die anspruchslose Pflanze wächst auf Wegen, Plätzen, zwischen Pflastersteinen oder Kies.

Vorkommen

Der Vogelknöterich ist in den gemässigten Gebieten der ganzen Erde heimisch, nicht aber in den Tropen.

Geschichte

Der Vogelknöterich war bereits bei den Griechen bekannt und wurde gegen „Blutspeien“, „Bauchfluss“, Cholera und Harnzwang eingesetzt. Die Römer nannten die Pflanze „Sanguinaria“ (sanguis = Blut). Dies, weil ihr Saft Nasenbluten oder ganz allgemein Blutungen von Wunden stillen soll. Dazu wurde der Saft entweder auf die Wunde aufgebracht oder in Wein gelöst getrunken. Der Vogelknöterich fand auch bei Brechdurchfall Anwendung. In der europäischen Pflanzenheilkunde des Mittelalters wurden Kraut, Blätter, Saft und Samen der Pflanze einzeln genutzt, später kam nur noch das Kraut zur Anwendung: innerlich bei Durchfallerkrankungen, Husten und Heiserkeit, Erkältungen, Blasen- und Nierenleiden, Magengeschwüren, Periodenbeschwerden, Hämorrhoiden, Nachtschweiss, Rheuma und als Bestandteil von Blutreinigungs-Tees; äusserlich bei Hautreizungen und schlecht heilenden Wunden. Bis in die heutige Zeit hat sich die Anwendung des Krauts bei Katarrhen der Luftwege und bei Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut gehalten.

Verwendete Pflanzenteile / Wirkstoffe

Als Wirkstoff gilt in der Pflanzenheilkunde heute nur das getrocknete Kraut, d.h. die blühenden oberirdischen Bestandteile. In der Homöopathie hingegen wird das frische Kraut eingesetzt. Es enthält Flavonoide (0.2 bis 1% Flavonolglykoside), Gerbstoffe (ca. 3.6%), Phenolsäure, Schleimstoffe und Kieselsäure (gelöst ca. 0,2%).

Wirkung

Basierend auf experimentellen Erkenntnissen wirken die Flavonoide des Vogelknöterichkrauts antioxidativ, immunregulierend, als Radikalfänger und Chelatbildner. Ausserdem sollen sie vor Leberfibrose schützen und die Verklumpung der roten Blutkörperchen (Erythrozytenaggregation) hemmen. Zur blutstillenden Wirkung der Pflanze liegen bislang keine wissenschaftlichen Belege vor.
Die in der Pflanze enthaltenen Tannine (Gerbstoffe) wirken gemäss neusten Erkenntnissen lokal entzündungshemmend, antioxidativ und gemäss in vitro Untersuchungen als ACE-Hemmer.
In einer klinischen Untersuchung mit einem Vogelknöterichextrakt konnte eine entzündungshemmende und antibakterielle Wirkung bei Zahnfleischentzündung nachgewiesen werden.

Bedeutung in der Tibetischen Medizin

In der Tibetischen Medizin wird dem Vogelknöterich eine milde Wirkkraft zugesprochen.

Name: Byi na sa
(in der Tibetischen Medizin Burjatiens wird die Pflanze als :’Bri ta sa ‘dzin bezeichnet)
Geschmack: bitter
Wirkprinzip: kühlend

Anwendungsbereich: Byi na sa besitzt laut Tibetischer Medizin kühlende Eigenschaften. Die Arznei ist förderlich bei Infektionen der Harnwege, Harnverhaltung, schmerzhaftem Wasserlassen, Gelbsucht, Unreinheiten der Haut und kalten Gallestörungen.