Gewürznelke (Syzygium aromaticum (L.) MERR. et L. M. PERRY)
Wissenschaftlicher Name
Syzygium aromaticum (L.) MERR. et L. M. PERRY
Umgangssprachliche Namen
Gewürznelken, Nelken, Nägeli
Familie
Myrtengewächse (Myrtaceae)
Vorkommen
Ursprünglich auf den Molukken beheimatet, wird der Gewürznelkenbaum heute in vielen tropischen Ländern angebaut.
Botanische Beschreibung
Der bis zu 20 Meter hohe, immergrüne Baum trägt bis 12 cm lange lanzettförmige Blätter. An den Spitzen seiner Äste hängen sogenannte "Trugdolden" mit zahlreichen, weisslich-rosa Blüten. Die Blütenknospen, die in noch geschlossenem Zustand geerntet werden, sind die eigentlichen Gewürznelken. Sie erhalten durch die Trocknung an der Sonne ihre charakteristische hellbraune Farbe. Ungepflückt reifen diese Blütenknospen zu dunkelroten Beeren-Früchten heran.
Geschichte
Die Gewürznelken wurden schon im alten China und Ägypten sehr geschätzt. Plinius (23 n. Chr.) erwähnt als erster römischer Schriftsteller das pfefferähnliche "Karyophyllon". Galen (2. Jh), der griechische Arzt und Naturforscher, empfiehlt sie zusammen mit anderen Bestandteilen bei Milzleiden. Schon vom frühen Mittelalter an sind die gelegentlich mit Gold aufgewogenen Gewürznelken in der Küche europäischer Fürstenhöfe bekannt. Seit dem 13 Jh. sind sie fester Bestandteil des europäischen Arzneischatzes mit vielseitigem Einsatz u.a in der Zahnheilkunde. Um sich vor der Ansteckung mit Pest-Erregern zu schützen, trugen die Ärzte des Mittelalters Nelkenketten oder kauten Knospen.
Verwendete Pflanzenteile/Wirkstoffe
Medizinisch kommen die getrockneten Blütenknospen (Caryophylli flos), die Früchte (Caryophylli fructus) sowie das aus den Gewürznelken gewonnene ätherische Öl (Caryophylli aetheroleum) zum Einsatz. Das Öl setzt sich hauptsächlich aus Eugenol, Eugenylacetat und Caryophyllen zusammen. In der Küche finden neben den Gewürznelken auch die Nelkenfrüchte Einsatz.
Wirkung
Allgemein werden Gewürznelken antimikrobielle, antibakterielle, antifungale, antivirale, lokalanästhesierende und spasmolytische Wirkungen zugeschrieben. Gewürznelken helfen bei Verdauungsbeschwerden und Blähungen. Das Nelkenöl wird bei Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut und des Zahnmarks eingesetzt, das daraus isolierte Eugenol zur Betäubung des Zahnnervs. Mit Hilfe des aus dem Nelkenöl isolierten Stoffes werden in der Parfümindustrie würzige und orientalische Noten erzeugt.
Bedeutung in der Tibetischen Medizin
Die Tibetische Medizin ordnet die Rezepturbestandteile je nach Gesichtspunkt unterschiedlichen Arzneigruppen zu. So gehört die Gewürznelke zur Gruppe der sechs ausgezeichneten Arzneien, von denen jede einen besonderen Bezug zu einem Körperorgan herstellt. Die Gewürznelke beispielsweise steht in enger Verbindung mit dem Lebenskanal. Die Gewürznelke gehört ebenso zur Gruppe der aromatischen Arzneien (rtsi sman).Ihnen werden aufgrund des besonderen Geruchs regenerierende Heilkräfte zugeschrieben. Ferner kann die Gewürznelke nicht durch lokale Pflanzen ersetzt werden und wird deshalb immer importiert.
Name: Li shi
Geschmack: scharf und leicht bitter
Wirkprinzip: wärmend
Anwendungsbereiche: Li shi ist in Rezepturen enthalten, die bei Erkrankungen des Lebenskanals, kalten Wind-Krankheiten, Verdauungsbeschwerden, Milzleiden, Appetitlosigkeit, kaltem Durchfall, Rheumatismus oder bei Heiserkeit und Entzündungen der Atemwege angewendet werden.



