Rhabarberwurzel (Rheum officinale BAILLON/Rheum palmatum L.)
Wissenschaftlicher Name
Es gibt zwei Arten von Medizinalrhabarber, den Chinesischen Rhabarber (Rheum officinale BAILLON) sowie den Handlappigen Rhabarber (Rheum palmatum L.). Der Pflanzenname Rhabarber geht wahrscheinlich auf das pontisch-griechische Wort Rha= Name für die Pflanze zurück; andere Quellen sehen radix = Wurzel oder Rha = Wolga, an der die Pflanze beheimatet war, als Namensursprung; barbarum = fremd. Rhabarbarum steht vermutlich für eine barbarische, aus der Fremde eingeführte Pflanze. Die Artbezeichnung palmatum stammt von palma = lateinisch für die flache Hand, also handförmig.
Umgangssprachliche Namen
Chinesischer Rhabarber, Kanton-Rhabarber, Medizinalrhabarber, Ostindischer Rhabarber, Südchinesischer Rhabarber, Türkischer Rhabarber;
Handlappiger Rhabarber, Kronrhabarberstaude, Medizinalrhabarber
Familie
Knöterichgewächse (Polygonaceae)
Botanische Beschreibung
Der Chinesische Rhabarber ist eine Staude mit reich verzweigten Stängeln, die bis zu 3 m hoch wird. Seine Blätter sind gross und rundlich-nierenförmig. Die Blüten sind klein und grün. Der Chinesische Rhabarber ist die einzige Rhabarberart, die von Insekten, vorwiegend Bienen, bestäubt wird. Bei allen anderen Arten vertreibt der Wind die Pollen. Der Handlappige Rhabarber ist eine ausdauernde Staude mit stark variabler Blattform. Die Blüten sind rot, rosa oder weisslich-gelb. Bei beiden Arten des Medizinalrhabarbers sind Teile des Wurzelstocks zu einer Rübe verdickt.
Vorkommen
Beide Medizinalrhabarber-Arten sind in Zentralasien beheimatet; sie wachsen im Gebirge und auf Hochebenen bis über 3000m. Heute werden sie in vielen Teilen der Welt kultiviert.
Geschichte
Der Medizinalrhabarber ist eine sehr alte Heilpflanze. Sie wird erstmal in einem fast 5000 Jahre alten chinesischen Kräuterbuch erwähnt. Auch in der Medizin der Antike fand sie Anwendung. So nutzten die bekannten Ärzte Dioskurides, Galen und Plinius die Staude mit dem ausgeprägten Wurzelsystem. Auch bei den arabischen Ärzten des Mittelalters war sie sehr beliebt. In der europäischen Volksmedizin, z.B. bei Paracelsus, findet der Medizinalrhabarber als Abführmittel (Laxans) Verwendung und hilft bei Magen- und Lebergeschwüren. Über Sibirien gelangte der Rhabarber nach Russland, wo die Regierung zwischen 1653 und 1860 ein Handels-Monopol aufbaute. Im 18. bzw. 19. Jh. wurde der Rhabarber in Europa als Zier- und Arzneistaude kultiviert. In England entdeckte man in dieser Zeit zudem, dass die Stängel des Gemeinen Rhabarbers (Rheum rhabarbarum L.) essbar sind.
Verwendete Pflanzenteile / Wirkstoffe
Der Wirkstoff „Rhabarberwurzel“ (lat. Rhei radix) besteht aus den getrockneten, ganzen oder geschnittenen, unterirdischen Teilen von Rheum palmatum L, Rheum officinale BAILLON, aus Kreuzungen der beiden Arten oder aus deren Mischung. Die Arznei ist weitgehend von der Aussenrinde mit ihren langfädigen Fasern befreit. Da die Wurzeln der genannten Arten alle dieselbe medizinische Wirkung haben, werden sie als Rhei radix zusammengefasst.
Wirkung
Rhabarberwurzel enthält sowohl abführende (Anthranoide) als auch adstringierende Wirkprinzipien (Gerbstoffe). Die Arznei wird wie andere anthranoidhaltige Heilpflanzen zur kurzfristigen Anwendung bei Verstopfung als Abführmittel verwendet. Dabei schützen die Gerbstoffe die Schleimhaut des Magen-Darm-Trakts vor Reizen und wirken lokal entzündungshemmend. Zusammen mit anderen Bittermitteln wirkt die Arznei ausserdem magenstärkend bei dyspeptischen Beschwerden. Alkoholische Auszüge aus Rhabarberwurzel werden bei Entzündungen des Zahnfleisches und der Mundschleimhaut eingesetzt.
Bedeutung in der Tibetischen Medizin
Unter dem Namen Icum rtza werden in der Tibetischen Medizin drei verschiedene Pflanzenarten bezeichnet, wozu auch die Rhabarber-Arten zählen. Alle haben eine ähnliche Wirkung.
Name: lcum rtza
Geschmack: sauer, bitter und adstringierend
Wirkprinzip: kühlend
Anwendungsbereich: lcum rtza wird unter anderem bei Verdauungsproblemen, Appetitmangel und Blähungen eingenommen. Da die Arznei das abwärts gerichtete rLung-Prinzip fördert, wird sie auch bei Verstopfung sowie bei Fieber aufgrund von Vergiftungen eingesetzt.



