Granatapfel (Punica granatum L.)
Umgangssprachliche Namen
Granatapfelbaum, Granatbaum, Grenadine
Wissenschaftlicher Name
Lat. Punica granatum L.
Familie
Granatapfelbaumgewächse (Punicaceae)/Weiderichgewächse (Lythraceae)
Botanische Beschreibung
Der Granatapfelbaum erreicht eine Wuchshöhe von bis zu 5 Metern und ein Alter von einigen hundert Jahren. Im Frühjahr und Sommer trägt er an seinen Zweigenden grosse, glockenförmige Blüten von orangeroter bis hellgelber Farbe. Die daraus entstehenden Früchte werden als Scheinbeeren bezeichnet. In ihrem Inneren befinden sich statt Beeren durch Häutchen unterteilte kleine Kammern, in denen sich zahllose kantige Samen befinden.
Vorkommen
In West- und Mittelasien beheimatet. Kultiviert werden Granatäpfel heute in geeigneten heissen und trockenen Klimazonen auf der ganzen Welt. In Europa finden sich grössere Anbaugebiete in Italien, Portugal und Spanien.
Geschichte
Die Verwendung von Granatrinde gegen Bandwürmer lässt sich bis in das Alte Ägypten etwa 2000 vor Christus zurückverfolgen. Über die arabische Medizin gelangten Kenntnisse über den Granatapfelbaum nach Europa. Noch im Mittelalter wurden Blüten, Saft, Samen, die ganze Frucht und die Granatrinde medizinisch eingesetzt. Die Anwendung der Fruchtschalen, Samen und des Saftes ist aber danach in Vergessenheit geraten und hat sich nur in der spanischen Volksmedizin erhalten. In Asien werden diese Pflanzenteile seit alters her medizinisch verwendet, wobei in Indien vor allem die Samen zum Einsatz kommen. In vielen Religionen und Kulturen wird der Granatapfelbaum als heilig und die Frucht als Fruchtbarkeitssymbol verehrt.
Verwendete Pflanzenteile/ Wirkstoffe
Medizinisch werden die Blüten, der Saft - frisch gepresst, fermentiert oder als Sirup - die getrockneten oder saftigen Samen, die Fruchtschale sowie die Stamm- und die Wurzelrinde verwendet. Saft und Samen gelten als verdauungsfördernde Magenmittel. Fruchtschalen, Stammrinde und Blätter von Punica granatum enthalten wurmabtötende Gerbstoffe und werden gegen Durchfall und Darmentzündung sowie als Gurgelmittel bei Halsschmerzen eingesetzt. Die Samen sind reich an Kalium, Kalzium, Eisen, Vitamin C und wertvollen Fettsäuren; sie werden deshalb in der asiatischen Medizin als Stärkungsmittel und bei Anämie eingesetzt.
Wirkung
Basierend auf experimentellen Erkenntnissen wirken die tanninreichen Teile des Granatapfelbaums antimikrobiell gegen Bakterien, Pilze, Amöben und den Malariaerreger Plasmodium falciparum. Laborversuche haben ausserdem die Wirkung der Rinde als Wurmmittel bestätigt. Durch das Auspressen ganzer Früchte gelangen Tannine und Flavonoide aus der Fruchtschale in den Saft. Dieser wirkt in der Folge stark antioxidativ, mehr sogar als Grüntee. Klinische Studien bestätigen seine vorbeugende Wirkung bei Arteriosklerose. Forschungen haben gezeigt, dass dem Saft auch eine anti-karzinogene Wirkung zukommt. Eine Wirkung bei Durchfall wurde erst in experimentellen Studien bestätigt. Die frühere Vermutung, die Samen könnten Östrogene enthalten, hat sich in modernen Untersuchungen nicht erhärtet. Der Presssaft könnte hingegen durch seinen hohen Flavonoidgehalt eine östrogenartige Wirkung besitzen.
Bedeutung in der Tibetischen Medizin
Der tibetische Name für den Granatapfel lautet Se’bru (gesprochen Sendu). Bereits der historische Buddha soll Granatapfel-Samen als Mittel bei Verdauungsproblemen empfohlen haben. Dokumentiert ist diese medizinische Anwendung bereits in den ältesten schriftlichen Medizintexten aus dem 8 Jh.. Granatapfel-Samen gelten als ein gutes Mittel gegen Kälte-Krankheiten. In PADMA-Arzneimittel werden Samen mit eher saurem Geschmack verwendet.
Name: Se ‘bru
Geschmack: süss bis sauer
Wirkprinzip: wärmend
Anwendungsbereich: Se ‘bru steigert generell die Verdauungshitze (Medrod). Die Pflanze wird eingesetzt bei Verdauungsstörungen, Appetitverlust und Blähung, welche durch mangelhafte Verdauungswärme ausgelöst werden.




