Spitzwegerich (Plantago lanceolata L.)
Wissenschaftlicher Name
Plantago lanceolata L. Der Gattungsname ist aus dem lateinischen "planta" (Fusssohle) abgeleitet und nimmt Bezug auf die schuhförmigen Blätter. Auch die Bezeichnung der Art "lanceolata" (Lanze, Spiess) bezieht sich auf deren Form.
Umgangssprachliche Namen
Spitzfederich, Spiesskraut, Schlangenzunge, Königskraut, Heilwegerich, Lügenblatt, Lungenblattl, Rippenkraut, Wegbreite, Wegreich. Das Wort "Wegerich" entstammt dem Althochdeutschen (von wega = Weg und rih = König). Der Name wird mit "Wegbeherrscher" oder "König am Wegesrand" übersetzt.
Familie
Wegerichgewächse (Plantaginaceae)
Vorkommen
Die Pflanze war ursprünglich nur in Europa heimisch, inzwischen kommt sie auf der ganzen Welt vor.
Botanische Beschreibung
Der Spitzwegerich hat einen ausgeprägten Wurzelstock, der im Frühling lanzenförmige Blätter austreibt. Diese sind schmal, mit fünf deutlich ausgebildeten Blattnerven versehen und vorne spitz. Der kantige Stängel wächst senkrecht und ohne Verzweigungen nach oben und trägt an der Spitze eine bräunliche Blüte in Ährenform. Aus dieser entwickeln sich später Früchte mit Kapseln, die jeweils zwei Samen enthalten.
Geschichte
Bereits in der Vorzeit und Antike wurde der Spitzwegerich als Heilpflanze und Nahrungsmittel genutzt. Später standen Wegericharten bei den Ärzten des Mittelalters in hohem Ansehen. Hildegard von Bingen und Albertus Magnus empfahlen das Kraut sowohl zur innerlichen wie auch zur äusserlichen Anwendung. Es wurde bei Blasenschwäche, Leberleiden, Durchfallerkrankungen, Sodbrennen, Asthma, Husten, Spulwürmern, Fieber, Gicht, Rheuma, Augenentzündungen und Insektenstichen verwendet. Aufgrund seiner vielfältigen Heilwirkungen wird der Spitzwegerich im Volksmund auch "Heilwegerich" genannt.
Verwendete Pflanzenteile/Wirkstoffe
Es werden die frischen oder getrockneten oberirdischen Teile verwendet, die vor allem aus Blättern und Stängeln bestehen. Diese enthalten wertvolle Schleimstoffe, Glykoside (u.a. Aucubin), Flavonoide, Gerbstoffe, Vitamine A, C, und K sowie Mineralien (u.a. Kieselsäure).
Wirkung
Spitzwegerichblätter wirken adstringierend, reizmildernd, entzündungshemmend, immunmodulierend und antibakteriell. Letztere Wirkung wird durch den Stoff Aucubigenin hervorgerufen, welcher mit Hilfe von Enzymen im Darm gebildet wird. Die Pflanze kommt zur Hauptsache bei Katarrhen der Atemwege sowie bei Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut zum Einsatz. Traditionell wird der Spitzwegerich auch bei Verdauungsstörungen und Hautirritationen sowie Schürf– und Quetschungen verabreicht. Wird ein zerkautes Spitzwegerichblatt auf Wunden aufgelegt, kann es ein fehlendes Pflaster oder Desinfektionsmittel, z.B. unterwegs auf Wanderungen, ersetzen. In klinischen Studien wurde die Wirksamkeit bei Husten sowie die entzündungshemmenden und Bronchien erweiternden Eigenschaften bestätigt. In experimentellen Studien zeigte sich ferner eine Leber schützende Wirkung sowie eine Beschleunigung der Blutgerinnung.
Bedeutung in der Tibetischen Medizin
Der Spitzwegerich gehört zur Gruppe der Pflanzen, die als tha ram bezeichnet werden. Am häufigsten werden im Himalaja die Arten Plantago depressa Willd. und Plantago himalaica Pilger gesammelt.
Name: Tha ram
Geschmack: süss, adstringierend; gelegentlich auch bitter oder sauer
Wirkprinzip: kühlend
Eigenschaften: leicht und kühl
Anwendungsbereiche: Der Spitzwegerich heilt Durchfall als Folge einer heissen Erkrankung, trocknet Lymphflüssigkeit, kuriert Entzündungen der Lunge und stoppt Blutungen. Weitere Einsatzgebiete sind Nierenerkrankungen sowie Schwierigkeiten beim Harnlassen.



