Colombowurzel (Jateorhiza palmata (L.) MIERS.)
Wissenschaftlicher Name
Jateorhiza palmata (LAM.) MIERS.
(Synonyme: Cocculus palmatus (LAM.) DC.; Jateorhiza columba (ROXB.) OLIV.; Jateorhiza miersii OLIV.; Menispermum palmatum LAM.(basionym); Menispermum columba ROXB.)
Umgangssprachliche Namen
Colombopflanze, Colombowurzel, Colombo, Handblättriger Kokkel, Handförmiges Mondkorn, Kalumba, Kalumbewurzel, Kolombopflanze, Kolombowurzel, Kolumbowurzel, Schildblättriger Mondsamen
Familie
Mondsamengewächse (Menispermaceae)
Botanische Beschreibung
Die Colombopflanze ist eine baumhoch schlingende, verzweigte Liane. Als Speicherorgane bildet sie fleischig verdickte Speicherwurzeln aus. Ihre Laubblätter sind handförmig gelappt und werden bis 35 cm lang und 40 cm breit. Die Pflanze ist zweihäusig – die weiblichen und die männlichen Blüten kommen auf verschiedenen Pflanzenindividuen vor. Die männlichen Blütenstände werden bis zu 40 cm, die weiblichen 8 bis 10 cm lang. Aus ihnen wachsen daumengrosse Steinfrüchte.
Vorkommen
Die Colombopflanze ist im tropischen West– und Ostafrika beheimatet. Angebaut wird sie in tropischen Gebieten, unter anderem in Ghana, Mosambik, Madagaskar, Indien sowie Brasilien.
Geschichte
Die Portugiesen kontrollierten den Handel mit der Colombowurzel während drei Jahrhunderten. Sie exportierten die Pflanze via Colombo, der Hauptstadt Ceylons (Sri Lankas). Um ihre Vormachtsstellung zu halten, hielten sie die Herkunft der Pflanze geheim. Gegen Ende des 18. Jh. fand die Pflanze fast überall in Deutschland Eingang in die Pharmakopöen.
Volkstümlich wird sie bei dyspeptischen Beschwerden und chronischen Durchfällen angewendet. In Ost-Afrika wird die Abkochung der Colombowurzel nicht nur bei Darmstörungen sondern auch zur Behandlung von Fieber (vermutlich Malaria) und als Wurmmittel verwendet. In Tansania wird sie gegen Schlangenbisse eingenommen.
Verwendete Pflanzenteile / Wirkstoffe
Der Wirkstoff „Colombowurzel“ (lat. Calumbae radix) besteht aus den getrockneten, geschnittenen Wurzelscheiben. Er enthält Alkaloide (Jateorhizin, Palmatin, Calumbamin) und Bitterstoffe. Die Arznei ist fast geruchlos, schmeckt bitter und färbt den Speichel gelb.
Wirkung
Die Colombowurzel (s. Bild) wird als Abkochung oder Tinktur bei Durchfall als Ersatz für Opiumtropfen verwendet. Die Alkaloide sollen gemäss einer Studie auf die glatte Muskulatur des Intestinaltraktes ähnlich wie Morphin wirken.
Die Colombopflanze wird in Europa noch immer in abführenden Kräutermischungen verwendet. Palmatin wirkt Blutdruck senkend (hypotonisch) und gegen Malaria. Jateorhizin wirkt sowohl hypotonisch als auch beruhigend und pilzabtötend. Der Extrakt wirkt antimikrobiell.
Bedeutung in der Tibetischen Medizin
Die Colombowurzel ist in der Traditionellen Medizin Tibets unbekannt. Die im 19. Jh. von Burjatien nach St. Petersburg eingewanderten tibetischen Ärzte nahmen sie jedoch in ihren Arzneischatz auf und verwendeten sie in ihren Arzneimitteln.




