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Pflanzen  / Pflanzenportraits

Süssholzwurzel (Glycyrrhiza glabra L.)

Süssholzwurzeln
Süssholzwurzeln

Wissenschaftlicher Name

Glycyrrhiza glabra L. Der schon im Altertum gebräuchliche Gattungsname Glycyrrhiza kommt vom griechischen glykys = süss und rhiza = Wurzel. Das lateinische glabra bedeutet klebrig.

Umgangssprachliche Namen

Süssholz, Deutsches Süssholz, Gemeines Süssholz, Lakritze, Lakritzen, Russisches Süssholz, Spanisches Süssholz

Familie

Hülsenfrüchtler (Fabaceae) oder Schmetterlingsblütengewächse (Papillionaceae)

Botanische Beschreibung

Die holzige, bläulich bis hellviolett blühende Süssholzstaude wird bis zu 2 Meter hoch. Im Boden bildet sie zunächst eine kräftige Pfahlwurzel aus. Später entsteht ein weitreichendes Wurzelwerk aus einem verholzenden Rhizom und gelben, fingerdicken Nebenwurzeln. Über meterlange Ausläufer verbreitet sich die Pflanze.

Vorkommen

Das Süssholz stammt aus Asien und dem Mittelmeerraum. Es wird heutzutage aber auch in Russland und Westasien kultiviert.

Geschichte

Es wird vermutet, dass bereits die alten Ägypter die hervorragenden Wirkungen der Süssholzwurzel kannten, denn man fand die süssen Stängel als Beigabe in Tutenchamuns Grab. In der Antike setzten Heilkundige sie gegen Magenbrennen ein. Ab 1614 wurden erstmals Lakritz-Taler zu therapeutischem Zweck hergestellt. 1760 mischte der englische Apotheker George Dunhill diesen Zucker bei und erfand damit die beliebte Süssigkeit – die Lakritze. Süssholz wird auf der ganzen Welt zu unterschiedlichen Zwecken verwendet: In der Deutschen Volksmedizin bei Katharrhen, Seitenstechen, Brust- oder Rippenfellentzündung sowie Zwölffingerdarmgeschwüren. In China nimmt man Süssholz gegen Herzrhythmusstörungen, Krämpfe, Neuralgien sowie als Giftbindemittel. In Japan setzt man es bei viralen und toxischen Leberentzündungen ein, in der Mongolei gegen Lungenleiden und Gefässerkrankungen und in der ayurvedischen Medizin raucht man es auch als Bestandteil von Asthmazigaretten. In Afrika und Asien wird es zur Förderung der Menstruation und Milchbildung, bei Verstopfung, Entzündungen der Atemwege, sowie bei Beschwerden des Magen-Darm- und Urogenitaltraktes verwendet. Es soll auch bei Epilepsie wirken und die Libido steigern.

Verwendete Pflanzenteile / Wirkstoffe

Der Wirkstoff Süssholzwurzel (lat. Liquiritiae radix) besteht aus den getrockneten Wurzeln und Ausläufern von Glycyrrhiza glabra L. oder zwei weiteren Arten. Die Arznei schmeckt auffallend süss, mit leicht bitterem Nebengeschmack. Sie enthält ca. 400 Inhaltsstoffe, darunter Saponine, insbesondere Glycyrrhizin, Flavonoide, saure Polysaccharide (z.B. Glycyrrhizan), Cumarine und flüchtige Aromastoffe. In der Lebensmittelindustrie wird Süssholz zu Lakritz und Geschmacksstoffen verarbeitet. Glycyrrhizin besitzt einen 170-fach süsseren Geschmack als Saccharose.

Wirkung

Das Süssholz ist eine der am besten untersuchten Arzneipflanzen. Für Extrakte und einzelne Inhaltsstoffe sind in experimentellen Studien zahlreiche Wirkungen festgestellt worden, z. B. antivirale, antimikrobielle, entzündungshemmende, antioxidative, leberschützende, neuroprotektive, krampflösende, immunmodulatorische, anti-tumorale und anti-allergische Wirkungen. Die Süssholzwurzel wirkt schleimlösend und erleichtert den Auswurf bei Atemwegserkrankungen. Sie zeigt bei Magengeschwüren Wirkung, schützt die Schleimhaut des Magen-Darm-Trakts und hemmt Bakterieninfektionen (Helicobacter pylori). Das Kauen von Süssholzwurzeln vermindert die Säurebildung im Mund und kann das Fortschreiten von Karies bremsen. In klinischen Studien wurde die antivirale Wirkung bei HIV, Hepatitis und Cytomegalovirus untersucht. Intensiv geforscht wird zurzeit auch, wie Glycyrrhyzin körpereigene Alarmstoffe beeinflusst, die an der Entstehung von Autoimmunerkrankungen und Krebs beteiligt sind. Weil die hoch dosierte Langzeitanwendung zu hohem Blutdruck, Wasseransammlungen und Kaliumverlust führen kann, sollte die Therapiedauer auf 6 Wochen beschränkt und übermässiger Lakritzkonsum vermieden werden.

Bedeutung in der Tibetischen Medizin

Shing-mngar bedeutet auch in der tibetischen Sprache ‚süsses Holz’. Die Arznei ist exemplarisch für Arzneien, die den süssen Geschmack und die damit verbundenen Eigenschaften vermitteln. Shing-mngar gehört in Tibet zu den wichtigen, eingeführten Arzneien.

Name: Shing-mngar
Geschmack: süss
Wirkprinzip: neutral

Anwendungsbereich: In der Tibetischen Medizin wird die Wurzel in zahlreichen Kombinationspräparaten eingesetzt, vor allem in solchen gegen Atemwegserkrankungen oder als Dämpfung der Wind-Energie (rLung). Die Arznei findet Anwendung bei Funktionsstörungen der Lunge und der Gefässe.