Zimtkassia (Cinnamomum aromaticum NEES)
Wissenschaftlicher Name
Lat. Cinnamomum aromaticum NEES; (Synonym: Cinnamomum cassia BLUME). Der Name geht auf den malaysisch/indonesischen Namen „kayu manis“ zurück, was „süsses Holz“ bedeutet.
Umgangssprachliche Namen
Chinazimtbaum, Chinesischer Zimtbaum, Chinesischer Zimtstrauch, Kassie, Zimtbaum, Zimtkassie
Familie
Lorbeergewächse (Lauraceae)
Botanische Beschreibung
Der bis zu 10 m hohe China-Zimtbaum ist immergrün mit braunen, behaarten Zweigen. Er trägt länglich-spitze (lanzettliche), ledrige Blätter. Aus den kleinen, gelblich-weissen Blüten entwickeln sich erbsengrosse, saftige Steinfrüchte.
Vorkommen
Der China-Zimtbaum ist im südlichen China, in Vietnam, Laos und Burma heimisch und wird dort auch kultiviert. So ist im Gegensatz zu früher die Ernte der Rinde heute nachhaltig. Es werden einzelne Schösslinge von den Bäumen abgeschlagen, ohne diese zu fällen.
Geschichte
Zimt wurde nachweislich bereits um 2800 v. Chr. im ersten Arzneikräuterbuch des Kaisers Shen-Nung (Vater der Chinesischen Medizin) erwähnt. Seither wurde die Pflanze in vielen verschiedenen Kulturen auf der ganzen Welt als Medizin, Gewürz, für religiöse Zeremonien, zum Konservieren von Nahrungsmitteln sowie zum Einbalsamieren verwendet. Plinius beschreibt im 1. Jh. n. Chr. den Handel mit Zimt. Obwohl dieser zu jener Zeit bereits sehr teuer war und das 15-fache von Silber kostete, war seine Verbreitung in Europa nicht mehr aufzuhalten. Im 16. Jh. gehörte er zu den populärsten Gewürzen in unseren Breitengraden. In der Folge war es auch ein wirtschaftlich interessantes Gut. Aus diesem Grund stritten sich Portugal, Holland und England jahrelang um das Zimt-Monopol, 1833 brachten es die Holländer zu Fall, indem sie in Indonesien Zimt-Plantagen anlegten.
Es gibt weltweit über 250 Zimtarten. In der Schweiz darf unter der Bezeichnung ‚Zimt’ eine Mischung aus Ceylon-Zimt (Cinnamomum verum J. S. PRESL) und den etwas schärfer würzenden Holzzimtarten - zu denen auch der China-Zimtbaum (Cinnamomum aromaticum NEES) zählt - gehandelt werden. Holzzimt und Ceylon-Zimt unterscheiden sich in der Herstellung. Die Rindenstücke lässt man über Nacht in Matten eingeschlagen fermentieren. Während beim Holzzimt die Rinde meist nur vom Kork befreit wird, schabt man beim Ceylon-Zimt am anderen Tag die äusseren Rindenschichten bis auf die innersten ab. Die Rinde rollt sich dabei von zwei Seiten, die dickere Rinde der Holzzimtarten nur von einer Seite ein.
Verwendete Pflanzenteile/ Wirkstoffe
In der Pflanzenheilkunde werden vom China-Zimtbaum die getrocknete Rinde (Zimtkassia), das aus den Blättern, Rindenabfällen, Blüten und Zweigen gewonnene ätherische Öl, die verwelkten Blüten sowie die feinen Zweige verwendet. Als wichtigster Wirkstoff gilt jedoch die Rinde. Sie enthält ätherisches Öl mit der Hauptkomponente Zimtaldehyd, ferner Phenolcarbonsäuren, wenig Tannine sowie Polysaccharid-Schleimstoffe. Zimtkassia enthält auch Cumarin. Cumarinhaltige Lebensmittel sollten nicht in grossen Mengen verzehrt werden. Die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) als absolut unbedenklich erachtete Tagesdosis Cumarin entspricht etwa 2 g Zimtkassiapulver mit durchschnittlichem Cumaringehalt. In Tibetischen Arzneimitteln, die Zimtkassia enthalten, ist diese so gering dosiert, dass die EFSA empfohlene Tagesdosis weit unterschritten wird.
Wirkung
Die genannten Inhaltsstoffe wirken in ihrer Gesamtheit cholagog (galletreibend), anti-ulzerogen (gegen Magengeschwüre), appetitanregend, entzündungshemmend, anti-bakteriell und anti-viral und senken den Blutzuckerspiegel. Das ätherische Öl im Besonderen ist verantwortlich für die antibakterielle und spasmolytische (krampflösende), karminative (Blähungen reduzierende) Wirkung. Nach westlicher Tradition und Erkenntnis wirkt Zimtkassia bei krampfartigen Beschwerden im Verdauungstrakt, bei Blähungen, Völlegefühl, Durchfall, Appetitlosigkeit und vorübergehenden Erschöpfungszuständen. In klinischen Studien konnte der Nüchtern-Blutzuckerspiegel von nichtinsulinabhängigen Typ-2-Diabetikern nach mehrwöchiger Einnahme von Zimtkassia im Vergleich zur Placebo-Gruppe signifikant reduziert werden. Eine weitere klinische Studie mit HIV-positiven Patienten zeigte, dass sich der Befall der Mundflora mit dem Pilz Candida albicans durch Zimtkassia eindämmen liess.
Bedeutung in der Tibetischen Medizin
In der Tibetischen Medizin werden unter der Bezeichnung shing tsa je nach Region vor allem Holzzimtarten, aber auch Ceylon-Zimt verwendet.
Name: shing tsa
Geschmack: scharf, süss, salzig und leicht adstringierend (zusammenziehend)
Wirkprinzip: wärmend
Anwendungsbereich:
Shing tsa wirkt laut Tibetischer Medizin wärmend, indem es kalten Wind in Magen und Leber kuriert, die Verdauungshitze fördert, für gute Nährstoffaufnahme sorgt und Durchfall aufgrund einer kalten Störung stoppt.




