Marmelosfrucht (Aegle marmelos (L.) CORREA)
Wissenschaftlicher Name
Aegle marmelos (L.) CORREA
Umgangssprachliche Namen
Bengalische Quitte, Indische Quitte
Familie
Rautengewächse (Rutaceae)
Vorkommen
Der kleine bis mittelgrosse subtropische Laubbaum ist im westlichen Himalaja und in den Wäldern der Coromandel-Ghâts (Ostindien) heimisch, wird aber auch auf den Sundainseln (Indonesien) angebaut. Als Gartenpflanze ist er in vielen subtropischen Ländern anzutreffen. Ende der 50er Jahre sind die Bäume auch in Europa eingeführt worden.
Botanische Beschreibung
Der Name "Quitte" ist irreführend, da der Baum mit der Quitte, einem Kernobstgewächs wie Apfel und Birne, nicht verwandt ist. Er gehört wie die Zitrusfrüchte zur Unterfamilie der Citroideae.
Der Marmelosbaum hat 2,5 cm lange, scharfe Dornen und viermal so grosse, länglich ovale, gezahnte Blätter, die er im Winter verliert. Die Blütezeit ist zwischen April und Mai. Die kugeligen Früchte reifen im folgenden Jahr zwischen März und Juni. Bereits im Januar werden halbreife, grüne Früchte für medizinische Zwecke geerntet. Das Fruchtfleisch ist gelb bis orange und die Samen sind haarig und von einem Schleim überzogen.
Geschichte
Die Bäume werden bereits in Quellen aus der Zeit vor 800 v. Chr. erwähnt. Im Hinduismus ist die Pflanze heilig. Gläubige beten mit den Blättern zur Gottheit Shiva. Alle Pflanzenteile werden genutzt: sei es als frisches Obst oder verarbeitet zu Getränken, Marmeladen, Fruchtpulver, als Gemüse (nur die jungen Blätter und Zweige), das Fruchtfleisch als Waschmittel, der Gummi der Samen als Klebstoff oder die Blüten als Parfumlieferant.
Bereits im 15 Jh. kannten portugiesische Seefahrer die medizinische Wirkung der Früchte nicht nur bei Durchfall, sondern auch bei Ruhr. Das Ansehen der Arznei wegen ihrer Wirkung war in den britischen Kolonien so gross, dass die Früchte in die Britische Pharmakopöe aufgenommen wurden.
Verwendete Pflanzenteile/Wirkstoffe
Traditionell werden die getrockneten halbreifen, tanninhaltigen Früchte bei Durchfall eingesetzt, die reifen Früchte hingegen bei Verstopfung. Blüten, Wurzeln, Blätter und Früchte finden ebenfalls medizinische Verwendung.
Wirkung
Die Früchte enthalten Tannine, Alkaloide, Cumarine, ätherisches Öl und Schleimstoffe und zeigen in experimentellen Studien vielfältige Wirkungen: anti-oxidativ, anti-diabetisch (senkt Blutzucker und schützt Pankreas), blutlipidesenkend, Magenschleimhaut schützend, stopfend bei Durchfall. Samenextrakte hemmen das Wachstum verschiedener pathogener Bakterien, Pilze und Würmer.
Bedeutung in der Tibetischen Medizin
Die getrockneten, halbreifen Marmelosfrüchte gehören in der Tibetischen Medizin zu den importierten Baumarzneien.
Name: Bil ba
Geschmack: süss und sauer
Wirkprinzip: kühlend
Anwendungsbereiche: Bil ba wird bei Magen-Darm-Erkrankungen eingesetzt und stoppt heissen Durchfall. Die Arznei heilt Wunden, unterstützt die Lungen und reduziert Schwellungen.




