Ingwer (Zingiber officinale ROSC.)
Wissenschaftlicher Name
Lat. Zingiber officinale ROSC.
Umgangssprachliche Namen
Ingwer, Ingwerwurzel, Ingwerwurzelstock, Ingwerklauen, Ingwerzehen, Ginfer, Ginferwurzel, Ingber, Ingberimber, Ingberwurzel
Familie
Ingwergewächse (Zingiberaceae)
Botanische Beschreibung
Die Ingwer-Staude erreicht eine Wuchshöhe von über 1 Meter. Der unterirdische Hauptspross, Rhizom genannt, wird als Überdauerungsorgan gebildet. Es ist im Innern gelblich und sehr aromatisch. Aus diesem Rhizom wachsen einerseits die eigentlichen Wurzeln der Pflanze und andererseits bildet sich daraus die Blätter und Blüten. Die Pflanze blüht nur selten, die Samenbildung ist deshalb äusserst rar. Die Kapselfrüchte enthalten schwarze, mit weissem Mantel umhüllte Samen.
Vorkommen
Die Ingwerstaude wird in vielen tropischen Gebieten der Erde kultiviert, insbesondere auf Jamaika, in Südchina, Indien und Westafrika. Die ursprüngliche Heimat sind möglicherweise die pazifischen Inseln, ein Wildvorkommen ist aber nicht mehr bekannt.
Geschichte
Bereits 2000 v. Chr. war Ingwer in China bekannt. Der Name „Zingiber“ wird auf das indische (Sanskrit) „sringavera“ zurückgeführt, das „mit Geweihsprossen versehen“ bedeutet und so das Rhizom anschaulich beschreibt. Die getrockneten Rhizome gelangten auf Handelswegen in das Mittelmeergebiet und wurde dort schon in der Antike von den Griechen und Römern verwendet. Im Mittelalter war der Ingwer ein wichtiges Gewürz in Europa. Er wurde so gern gegessen, dass Ärzte und Sittenwächter glaubten, sie müssten vor seiner schädlichen Wirkung warnen: Wein, Pfeffer, Zimt und Ingwer, so hieß es, verdürben das Blut junger Mädchen. In der europäischen Volksmedizin wurde Ingwer gegen Blähungen sowie als magen-stärkendes, appetitanregendes und verdauungsförderndes Mittel eingesetzt. Auch bei Durchfall, Husten, zur Förderung der Monatsregel, in Mund- und Gurgelwässern sowie in Zahntinkturen kam er zum Einsatz. In Indien, China und Japan wird der Ingwer heute auch als Aphrodisiakum genutzt.
Verwendete Pflanzenteile/ Wirkstoffe
Medizinisch wird in erster Linie das Rhizom verwendet. Davon gibt es verschiedene Qualitäten. Unterschieden wird vor allem der Gehalt an ätherischem Öl und Scharfstoffen. Dazu zählen hauptsächlich die Gingerole und die etwas schärferen Shogaole. Qualitativ hochwertiger Ingwer enthält bis zu 8% ätherisches Öl und Scharfstoffe. Ausserdem enthalten die Wurzeln Vitamin C, Magnesium, Eisen, Calcium, Kalium, Natrium und Phosphor.
Ingwer-Öl wird in der Parfümindustrie und zur Herstellung von Getränken verwendet. Getrockneter Ingwer gemahlen als Gewürz ist u.a. Bestandteil von Curries, Chutneys, Marmeladen und Saucen. Zur Erzeugung von grünem (frischem) Ingwer werden die Rhizome zu einem früheren Zeitpunkt etwa 5 Monate nach Einpflanzen geerntet. Aroma und Schärfe ist dann milder. Dieser grüne Ingwer wird als frisches Küchengewürz vor allem in der asiatischen und afrikanischen Küche verwendet.
Wirkung
Basierend auf experimentellen Erkenntnissen sind Gingerole und Shogaole entzündungshemmend und wirken signifikant gegen Erbrechen (antiemetisch), insbesondere bei Reisekrankheit. Die Scharfstoffe des Ingwer-Rhizoms steigern ausserdem die Magensaft- und Speichelsekretion. Beschrieben wurde auch eine Verkürzung der Zeit, die die Nahrung im Verdauungstrakt verweilt sowie eine Hemmung der Magenmotilität (Beweglichkeit). In der Literatur werden auch Blutzucker senkende, Herz-Kreislauf anregende, antibakterielle, pilztötende, antiparasitäre, adstringierende und lokal schmerzstillende Wirkungen beschrieben.
Bedeutung in der Tibetischen Medizin
Name: Sman sga
Geschmack: süss und scharf
Wirkprinzip: wärmend
Anwendungsbereich:
Sman sga wird in der Tibetischen Medizin allgemein bei kombinierten ‚Wind-Schleimstörungen’, insbesondere bei Störungen der ‚Verdauungshitze’ (Medrod), Appetitlosigkeit sowie zur Auflösung von Blutgerinnseln und zur Wundheilung eingesetzt.



