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Pflanzen  / Pflanzenportraits

Baldrian (Valeriana officinalis L.)

Baldrianwurzeln
Baldrianwurzeln

Wissenschaftlicher Name

Valeriana officinalis L.

Umgangssprachliche Namen

Katzenkraut, Katzenwargel, Stinkwurzel, Hexenkraut, Augenwurzel, Mondwurz, Balderbackenwurzel, Bullerjan, Tolljan

Familie

Baldriangewächse (Valerianaceae)

Vorkommen

Von Europa bis nach Russland und Westasien an sonnigen oder halbschattigen, teilweise auch an sumpfigen Standorten.

Botanische Beschreibung

Beim Echten Baldrian handelt es sich um eine mehrjährige Feuchtbodenpflanze, die bis zu einem Meter hoch werden kann. Aus dem kräftigen Wurzelstock wächst ein runder, gefurchter Stängel, der nur im oberen Teil verzweigt ist. An den Stängel-Enden sitzen Dolden-ähnliche Blütenstände bestehend aus vielen kleinen, weissen oder blassrosa Blüten. Die Blätter der Pflanze sind sattgrün, eschenähnlich und gefiedert.

Geschichte

Der Echte Baldrian war schon im Altertum bekannt. Bereits Dioskurides, einer der berühmtesten Pharmakologen dieser Zeit (1.Jhr.) soll ihn verwendet haben. Der griechische Arzt beschreibt in seinen Schriften eine dem Baldrian ähnliche Pflanze mit "Phu". Er empfiehlt sie als harntreibend, wärmend und menstruationsfördernd.

Im Mittelalter wird der Echte Baldrian bei Augenleiden, aber auch bei Pest und anderen Seuchen verschrieben. Der Name Hexenkraut ist vermutlich auf den intensiven Geruch zurückzuführen, mit dessen Hilfe böse Geister und Hexen abgewehrt wurden. Der Sage nach soll auch der Rattenfänger von Hameln die Ratten mit einem Baldrianzweig angelockt haben. Hildegard von Bingen setzte Baldrian bei Brustfellentzündungen ein.

Die beruhigende Wirkung, wofür der Baldrian bis heute bekannt ist, wird erst im 17. Jh. entdeckt. Mit ihrer Hilfe sollen im 1. Weltkrieg angeblich Soldaten mit "Granatsplitterschock" behandelt worden sein.

Baldrianblüten
Baldrianblüten

Verwendete Pflanzenteile/Wirkstoffe

In der Naturheilkunde wird vor allem der Wurzelstock mit seinen Ausläufern und Wurzeln verwendet, dessen typischer Baldriangeruch erst beim Trocknen auftritt. Dieser zieht Katzen magisch an, daher auch der Name "Katzenkraut". Der Name Baldrian geht auf den nordischen Gott "Baldur" zurück, der als gütiger Gott des Lichts bezeichnet wird. Vom lateinischen Wort "valere" wird der botanische Name abgeleitet, was so viel wie "gesund sein" bedeutet.

Wirkung

Der Baldrian gehört zu den interessanten Heilpflanzen. Er wird als pflanzliches Schlafmittel eingesetzt, wirkt aber vor allem "Schlaf anstossend", die Schlafqualität verbessernd und entspannend. Deshalb kann er auch tagsüber als Beruhigungsmittel verwendet werden, ohne die Konzentrationsfähigkeit zu beeinträchtigen. Baldrian wird zudem eine krampflösende und Muskel entspannende Wirkung zugeschrieben. Welche Inhaltsstoffe für diese Wirkungen verantwortlich sind, ist nach wie vor nicht eindeutig geklärt. Sesquiterpene, Lignane und Flavonoide könnten dazu beitragen.

Bedeutung in der Tibetischen Medizin

In der Tibetischen Medizin gilt die ganze Pflanze als arzneilich wirksam.

Name: rgya spos dkar po
Geschmack: bitter
Eigenschaften: kühlend

Anwendungsbereiche: Baldrian wird in der Tibetischen Medizin in Arzneien gegen chronische heisse Krankheiten, Eiter in den Gelenken, Schwellungen, Infektionen und Entzündungen, Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, Magenkrämpfe, Hals- und Mandelentzündungen eingesetzt.