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Pflanzen  / Pflanzenportraits

Der Faulbaum (Frangula alnus Miller)

Wissenschaftlicher Name

Rhamnus frangula L. (Frangula alnus Miller)

Umgangssprachliche Namen

Amselkirschbaum, Kreuzdorn, Fulholz, Gichtholz, Hundsbaum, Knitschelbeerbaum, Läusebaum, Mausbaum, Pulverholz, Scheißkerschen, Hexendorn, Hundsbeer, Purgierbeere, Stinkboom

Familie

Kreuzdorngewächse (Rhamnaceae)

Vorkommen

Verbreitung: Europa, Westasien, Nordamerika, Standort: feuchte Wälder, Heidemoore

Botanische Beschreibung

Der Faulbaum wird 3,5 bis 6 m hoch. Anfangs ist die Rinde grün, später wird sie graubraun mit hellen Korkporen. Die Blätter sind eiförmig und mit Seitennerven versehen. Sie erinnern in der Form an Blätter der Schwarz-Erle. Der Baum hat weiss-grünliche Blüten, die einen intensiven süsslichen Geruch verströmen. Daraus entwickeln sich die zuerst grünen, dann roten und im reifen Zustand blauschwarzen beerenartigen Steinfrüchte. Typisch für den Faulbaum ist, dass die Früchte nicht gleichzeitig reifen und so neben schwarzen auch rote „Beeren“ wachsen. Sie können eine stark giftige Wirkung haben (Vorsicht mit kleinen Kindern).

Geschichte

Der Faulbaum wird in Europa erstmals in mittelalterlichen Quellen erwähnt. Sein Holz wurde zur Herstellung von Schwarzpulver und Holzkohle verwendet. Früchte und Rinde setzte man als Färbe-Rohstoff für Textilien und Haare ein. Im 13./14. Jahrhundert wurde vermutlich die Rinde zu Heilzwecken (Haut- und Zahnerkrankungen) genutzt, geriet aber wieder in Vergessenheit. Seit dem 16. Jh. zählt sie zu den anerkannten Arzneipflanzen gegen Obstipation.

Verwendete Pflanzenteile/ Wirkstoffe

Genutzt wird die getrocknete Rinde des Stamms und der Zweige (mind. ein Jahr gelagert). Der Wirkstoffname lautet: „Frangulae cortex“ (Faulbaumrinde).

Die Einnahme der frischen oder zu kurz gelagerten Rinde kann starkes Erbrechen auslösen. Die Reizstoffe oxidieren durch die Lagerung und verlieren ihre Toxizität.

Wirkung

Darmbakterien bauen die in der Faulbaumrinde enthaltenen Anthranoid-Glykoside zu den eigentlich abführenden Substanzen, den Emodinen, ab. Diese regen einerseits die Dickdarmmuskulatur direkt an, andererseits stimulieren sie die Dickdarmschleimhaut, so dass mehr Wasser aus dem Körper in den Darm einströmt. Durch die Wasseraufnahme wird der Darminhalt nicht nur weicher, sondern auch voluminöser. Dies stimuliert die Darmtätigkeit, was zusätzlich zu einer schnelleren Darmpassage führt. Der Stuhlgang tritt nach ungefähr 6-10 Stunden nach Einnahme ein. Die Faulbaumrinde bzw. einzelne Anthranoide hemmen ausserdem das Pilzwachstum und zeigen antibakterielle, antivirale und entzündungshemmende Wirkungen.

Bedeutung in der Tibetischen Medizin

In der klassischen Tibetischen Medizin kommt die Arzneipflanze nicht vor. Anfang des 20. Jh. reihten jedoch Tibetische Ärzte aus Burjatien die Faulbaumrinde in die Klasse der abführenden Arzneien ein (tibetisch: khru byed sman sde) und verwendeten sie in Kombination mit den klassischen tibetischen Pflanzen gegen Krankheiten des Verdauungstrakts.

Geschmack
süss und leicht bitter

Eigenschaften
schwer, flüssig, stabil, kalt, stumpf, glatt, ölig, flexibel

Wirkprinzip
neutral

Anwendungsbereiche
bei Störungen des Wind- und Galle-Prinzips.