Nimbaum (Azadirachta indica A.JUSS., Melia azadirachta L.)
Wissenschaftlicher Name
Lat. Azadirachta indica A. JUSS., Syn. Antelaea azadirachta (L.) ADELBERT., Melia azadirachta L.
Umgangssprachliche Namen
Nimbaum, Grossblättriger Zedrach, Indischer Flieder, Indischer Zedrach, Niembaum, Niem, Nim.
Familie
Mahagonigewächse (Meliaceae)
Botanische Beschreibung
Der bis zu 20 Meter hohe immergrüne Baum trägt kleine, weisse, angenehm duftende Blüten. Der Nimbaum ist einhäusig, d.h. er entwickelt sowohl weibliche wie auch männliche Blüten. Seine unbehaarten, olivenähnlichen Steinfrüchte haben eine dünne Haut und gelblichweisses, bitter-süsses Fruchtfleisch. Der Fruchtstein besteht aus einer verholzten Fruchtschicht, die einen einzelnen Samen umhüllt.
Vorkommen
Der Nimbaum ist in Indien, Burma, Sri Lanka, Malakka und dem Malaiischen Archipel heimisch. Er wird auch ausserhalb dieses Gebietes angebaut.
Geschichte
Der Nimbaum wird auf dem indischen Subkontinent seit mehr als 4500 Jahren genutzt. Im ersten Jahrtausend v. Chr. wurde er als „Sarva Roga Nivarini“ (=einer der alle Gebrechen und Krankheiten heilt) bezeichnet. In den indischen Medizintraditionen (Ayurveda, Siddha, Unani Tibb) wirken v.a. Rinde, Blätter, Samen und Samenöl (Nimöl) innerlich bei Lepra, Malariafieber, Verdauungsstörungen, Wurmbefall, Diabetes mellitus, Entzündungen, Schwächezuständen, Husten, Bronchitis und Tuberkulose. Innerlich wirken Früchte und Samen beruhigend, stuhlerweichend und abführend, was nützlich ist bei Wurmbefall, Hämorrhoiden und Harnwegserkrankungen. Äusserlich wirken v.a. Rinde, Blätter, Samen und Samenöl bei Hautkrankheiten, Geschwüren und schlecht heilenden Wunden (u.a. Syphilis, Hautpilze). Auch das Wissen um Anwendungen in der Landwirtschaft zum Schutz vor Insekten- und Pilzbefall gehört zum indischen Kulturerbe. Heute ist Azadirachtin aus den Samen ein in Europa zugelassenes Pflanzenschutzmittel. Da es spezifisch den Stoffwechel von Insektenlarven stört, ist es für Säugetiere ungefährlich.
In der westlichen Medizintradition wurde die Abkochung der Wurzelrinde als Wurmmittel verwendet. Auch das Nimöl wurde gegen Würmer eingesetzt, ferner gegen Rheuma und Hautkrankheiten. Die Blätter und Blüten fanden Eingang in die europäische Homöopathie. Heute wird Nim in Europa als Mittel gegen Kopfläuse eingesetzt und in der Zahn- und Mundhygiene sowie gegen Lippenherpes genutzt.
In den Neunzigerjahren gingen beim Europäischen Patentamt in München Klagen aus Indien gegen die Patentierung von Nimbaumzubereitungen ein. Diese Anwendungen sind dort seit jeher ein allgemeines Kulturgut. In der Folge musste ein Grossteil dieser Patente wieder aufgehoben werden. Damit kommt der Baum seinem Namen und seiner Bestimmung wieder näher; nach der Übersetzung aus dem Persischen ist „Azadirachta“ ein „freier“ Baum, also für alle verfügbar...
Verwendete Pflanzenteile / Wirkstoffe
Als arzneiliche Wirkstoffe finden wie erwähnt Wurzeln, Stamm, Rinde, Blätter, Früchte und Samen (Samenöl) des Nimbaumes Verwendung. Vor allem Blätter und Samen enthalten als Inhaltsstoffe u.a. Duzende extrem bitterer Stoffe, die Limonoide, (z.B. Salannin, Nimbin, Nimbidin, Azadirachtin). Die Blüten enthalten Flavonoide, die Rinde enthält Gerbstoffe, die Früchte Chalcone, die Gummiharze der Rinde Polysaccharide und in den Samen und Blättern sind schwefelhaltige Verbindungen zu finden, die für den knoblauchartigen Geruch verantwortlich sind. Die früher vermuteten Alkaloide konnten mit modernen Methoden nicht nachgewiesen werden.
Wirkung
Basierend auf experimentellen Erkenntnissen wirkt das Nimöl aus dem Samen der Nimbaumfrucht entzündungshemmend, antibakteriell, fiebersenkend und blutzuckerregulierend. Nimöl hat gemäss Forschungsergebnissen aus Indien eine spermienabtötende Wirkung und wird deshalb auf dem Subkontinent als vaginal anzuwendendes Verhütungsmittel verkauft. Blatt- und Samenextrakte sind gegen verschiedene menschliche Hautpilze wirksam. Erforscht werden auch Wirkungen auf das Zentralnervensystem sowie gegen Tumore und Rheuma. Unklar ist, ob die traditionellen Behandlungserfolge bei Malaria gemäss heutiger Erkenntnisse auf einer direkten Wirkung gegen den Erreger oder eher auf einer Wirkung auf das Immunsystem beruhen und welche Inhaltsstoffe beteiligt sind.
Bedeutung in der Tibetischen Medizin
In der Tibetischen Medizin finden hauptsächlich die Zweige und Blätter, gelegentlich auch die Samen Verwendung, die werden seit Jahrhunderten eingeführt werden. Der Name wird von Sanskrit nimba abgeleitet.
Name: Nimpa
Geschmack: bitter
Wirkprinzip: kühlend
Anwendungsbereich:
Das sehr bittere Nimpa wird vor allem bei Hitzekrankheiten, Appetitverlust und Hautkrankheiten angewendet.



